beitrag von: malaidoskop
Nur dann kommt alles gut!
Alles was stört, wird weg gemacht, so dass nichts mehr stört, kein fremdes Gesicht, kein fremder Name, keine fremden Gerüche im Gang, kein Lärm nach zehn Uhr abends, kein Geschrei und nichts, was anders ist, nichts was nicht gleich ist, nichts was nicht so ist, wie es immer war und gewesen ist, damals, damals als alles noch so war, wie damals in schwarz-weiss.
Der Nagel der raussteht, muss reingeschlagen werden, nur dann, nur dann kommt alles gut.
Nur dann sinkt der Mietpreis, nur dann schmeckt auch das Schnitzel wieder richtig und nur dann, nur dann steigen Renten und Löhne.
Alles was stört muss weg, das Bunte, das Laute, das Lebendige, das Schrille, Männer, die wie Frauen aussehen und Mannsweiber, die auf dem Bau malochen oder den Männern die Arbeit stehlen.
Alles so wie ich es will, nur dann, nur dann. Nur dann kommt alles gut, nur dann fühle ich mich wohl, wenn ich in den Spiegel schaue, nur dann fühle ich mich wohl, wenn ich auf die Strasse schaue, nur dann fühle ich mich wohl, wenn ich nicht genau auf mein eigenes Leben schaue.
Dann ist alles wieder richtig, aber dann sind meine Gardinen zu alt und meine Geranien zu welk und ich werde gebüsst und ich bin ja auch nicht von hier und ich bin ja kein Grossverdiener, und ich bin ja auch nicht gleich, nur dann, nur dann werde ja auch ich am Ende weggemacht.
review von: alfred goubran
Ein Text wie ein Manifest! Ein ganz besonderer Text … in keinem der bisherigen Beiträge war der Schmerz so unumwunden artikuliert, die Brutalität der Anmaßungen und Drohungen, denen wir täglich ausgesetzt sind (und mit denen wir meist unseren Frieden gemacht haben).
Sehr gelungen. Meine Lieblingsstelle:
Der Nagel der raussteht, muss reingeschlagen werden, nur dann, nur dann kommt alles gut.
Nur dann sinkt der Mietpreis, nur dann schmeckt auch das Schnitzel wieder richtig und nur dann, nur dann steigen Renten und Löhne.