beitrag von: trivialpoet
weihnochtn mit h.c. artmann - noch ana beschöörung
weihnachten mit h.c. artmann
an weihnochtn
noch da beschöörung
sama r ole medaranaund
besoffm
und mea liang untan bam
auf an wohnzimabodn
fon da nosn drepfön
dropfm von an rodn
wia bluad
und a scheena engl schdet doo
und duad bled schaun
an weihnochtn
is das gristkind
geboan
und mea
san
gschdoam
review von: michael ziegelwagner
"auxoffana r untan gristbam" heißt bekanntlich ein Original-Artmann-Weihnachtsdialektgedicht. Das seltsam eingestreute r, eine Artmann'sche Spezialität, um zwei Wörter miteinander zu verbinden, hat auch der vorliegende Text vorbildlich nachgeahmt. An anderen Stellen stimmt es nicht ganz, man ist nicht "besoffm", sondern "bsoffm" (oder eben "auxoffm"), „liang“ wäre lügen, nicht liegen, und "an Weihnachten" klingt für mein Ohr eher Bundesdeutsch als Wienerisch, kann das sein? Das "drepfön" der Tropfen dagegen: sehr gut abgelauscht.
Im Artmann-Original werden dem Auxoffanan am Ende die Wachstropfen der Christbaumkerzen aus dem Anzug gebügelt (bzw. eben nicht), hier wird gleich gschdoam – ein etwas starker Special-Effect für mein Empfinden. Und auch hier: Weniger Parodie als liebevolle Hommage, Artmann hätte es als Ehrerweisung genommen (und sich vielleicht höchstens über das "besoffm" erregt).