beitrag von: Julia70
Geisterbahnclown
aufgabe: 5 - ein gegenüber. dreizeiler über einen vertrauten menschen
Ich fürchte dich, und du glaubst es nicht,
ich verachte dich, und du spürst es nicht,
du akzeptierst nur den Tod, er darf uns irgendwann scheiden.
review von: Lukas Meschik
Das Gedicht spielt wohl nicht in der Geisterbahn und handelt auch nicht von einem Clown, der uns erschrecken soll – ich bringe den Titel nicht wirklich mit dem Rest zusammen. Der allerdings ist einfach und klar, in seiner Klarheit angenehm hart. Es gibt keine sprachlichen Verrenkungen oder zwangsoriginellen Wortschöpfungen. Das Spiel in der letzten Zeile soll uns an eine Ehe erinnern – bis dass der Tod uns scheidet. Besonders eindrücklich ist die Formulierung, dass ein Du „nur den Tod akzeptiert“, nämlich als Instanz, die eine Veränderung herbeiführt. Das eigene und auch das fremde Schicksal werden damit einer höheren Macht überantwortet, auf die wir nur Einfluss haben, wenn wir Grenzen überschreiten. So fangen diese wenigen Zeile eine bedrückende Enge ein.