beitrag von: Britta
Willkommen zuhause
aufgabe: 5 - ein gegenüber. dreizeiler über einen vertrauten menschen
Ich grabe Tunnel durch unsere gemeinsamen Erinnerungen.
An der Garderobe hänge ich den Schmutz der Tage auf
und drehe den Ring an meinem Finger.
review von: Lukas Meschik
Ein sehr eindrückliches, geerdetes Gedicht, das seine Zutaten gut abwägt und sich dann auf sie verlässt. Der Titel ist schön, weil er dem positiven „Willkommen zuhause“ drei Zeilen hinterherschickt, die eine geweckte Erwartung nicht einlösen. Das schafft eine kleine Fallhöhe, die in uns einen Ruck erzeugt. Der „Schmutz der Tage“ trägt so viele Bedeutungen, dass einem angenehm schwindlig wird. Da können wir Schichten freilegen wie beim Schälen einer Zwiebel. (Nobelpreisträger Günter Grass häutet die bekanntlich lieber.) Erst blitzt die Jacke auf, dann Straßendreck, dann die Beschwerlichkeit eines Lebens. Eine vielzitierte Schreibregel aus dem angloamerikanischen Raum lautet: „Show, don't tell“. Die ist natürlich wie alle Regeln Blödsinn, weil gerade wir Lykerinnen und Lyriker wissen, dass man ruhig benennen und erzählen darf, und wie alle Regeln gilt sie manchmal. Hier ist die Beschreibung der Handlung stärker als die Beschreibung eines Gefühls es sein könnte. Das Drehen des Rings am Finger sagt viel – und für jeden etwas anderes. Auf jeden Fall zeigt es eine Nachdenklichkeit, es erzählt eine Geschichte. Persönlich bräuchte ich die Punkte als Zäsur überhaupt nicht, aber wenn das Ihr Stilmittel ist, das Ihnen behagt, dann lassen Sie es so.