beitrag von: heimwehbilder
ganzjahreswärme
aufgabe: 2 - lebensraum. dreizeiler über ein bewohntes zimmer.
du keuchst. die vernarbte tischplatte
fängt deine tränen auf. die küche
war schon immer so warm wie ein pelz.
review von: Lukas Meschik
Spannend, wie hier Sätze markiert und bewusst auseinandergerissen werden. Da erfüllen die Punkte einen Zweck, weil sie gemeinsam mit dem Zeilenumbruch einerseits einen Sinnzusammenhang herstellen und andererseits einen Rhythmus erzeugen können. Dass eine Tischplatte „vernarbt“ sein kann, erschließt sich mir sofort, ich sehe Kerben und Schrammen, vielleicht einen alten Holztisch. Allein das erzählt eine Dauer. Düster wird es vom Keuchen und den Tränen, die nicht erläutert werden müssen. Dass eine Küche „so warm wie ein pelz“ ist, adelt einen Ort zur Hülle, die uns schützend umfängt. So verleiht dieses Gedicht dem Raum eine Persönlichkeit. Gleichzeitig ist er Schauplatz zwischenmenschlicher Erschütterung.