so eine gemeinheit!

beitrag von: Fishkitsch

Wiener Synchronizitäten, oder wie mir der Mundartgeist beim Morawa erschienen war

Es ist Jahre her, oder gar Jahrzehnte – als ich nach mehreren Wochen tiefster Einsamkeit, mit dem Gedanken, mir das Leben zu nehmen spielend, ernstelnd, abgemagert nach Tagen der Appetitlosigkeit und quälender Dauerpanik, es dann doch fertigbrachte, meine Wohnung im 20. Bezirk zu verlassen. Ich wagte mich also auf die Straße. Sogar Straßenbahn und auch U-Bahn bin ich gefahren, natürlich unter Stress, da sich alsbald meine Menschenangst zu zeigen begann. Dennoch, in meiner rasend mich krankhaft erdrückenden Selbstuntergrabung, schaffte ich das für solche „Fälle“ fast unmögliche: Ich kam (lebendig) an ein Ziel. 
Ich fand mich wieder im 1. Bezirk – die Straße habe ich vergessen – vor einem Buchgeschäft. Ja, genau, es war der Morawa. Warum man hier immer DER sagt, das weiß ich bis heute nicht. Auf jeden Fall, ehe ich mir meiner Lage bewusst sein konnte, stand ich auch schon im Geschäft drin. Mich innerlich beschimpfend, überhaupt das Haus verlassen zu haben, stritt ich mit meinen Ängsten, meinen Sorgen und meinem Körper, der einerseits fliehen, andererseits stürmen wollte. Mitten unter kaufenden, schmökernden, mich musternden Buchfanatikern wollte ich nur eines und das auch alles zur gleichen Zeit: im Erdboden versinken, mich umbringen, mich totlesen und zuhause sein, um zu heulen, wie ein Schlosshund, bis er heiser erstickt.
Irgendwie überwand ich auch diese Situation, die einer Kurzgeschichte von H.P.Lovecraft in der Übersetzung durch H.C. Artmann um nichts nachgestanden hätte, bravourös. Ich bewegte mich einfach, ging herum, wie auf Knopfdruck. Ganz locker. Ich fiel nicht mehr auf. Und noch ehe ich es innerlich begriffen hatte, ergriff ich ein Buch, oder es mich – ich entsinne mich nur mehr der Farbe Orange – ich schlage es auf, wahrscheinlich nahe der Mitte und lese: 

„Gengans kummans, kummans gengans“.

review von: franz adrian wenzl

Der erste Absatz gefällt mir ausnehmend gut, das könnte einen guten Einstieg in ein völlig überhitzten Schelmenroman abgeben und ich war gleich gespannt, wie es weiter geht, welchen haarsträubenden Geschehnissen, welchen Groteskheiten der/die ErzählerIn entgegentorkelt.
Nun ja: Er/sie geht zum Morawa.
Ich glaube, du merkst schon, worauf ich hinauswill.

Wobei ich zugeben muss, dass ich den Schluss auch nicht ganz kapiere. Aus welchem Buch stammt das "Kummans gengans"? Artmann? Besagte Lovecraft-Übersetzung wohl eher nicht... Vielleicht würde sich mir der Text dann noch weiter erschliessen, aber ein bisschen inhaltliches Fleisch bräuchts wo so oder so noch, denke ich...

Schöner Titel!