so eine gemeinheit!

beitrag von: alterlaa

Die Ehemann-Veränderung

Wenn meinem Mann Rodrich irgendetwas nicht passte, schrie er mich an. Er schlug mich nicht, aber die Bedrohung lag immer in der Luft, er war ein Drohling.
Ich reihte meine Gefühle für ihn wie auf einer Wäscheleine auf: Widerwärt, eine unruhige Unterstufe von Urangst und festgezurrter Zorn.
Auf dem Flohmarkt fand ich das Buch „Magie, Kräuter und Bannsprüche“.
Nach genauem Bauplan fabrizierte ich eine Puppe aus Lehm, die ihn darstellte. In den Kopf häkelte ich ein paar seiner Haare ein.
Für die Ehemann Veränderung musste man in Vollmondnächten Sumpfkräuter sammeln. Als erstes steckte ich der Puppe Teufelswurz in den Bauch und verschloss ihn wieder.
„Wo ist die Butter?“, schrie Rodrich.
Ja, gleich!“, antwortete ich und frühstückte einfach weiter.
Als ich später nachsah, saß er im Wohnzimmer und starrte mich stumm an, mit Augen, die fast aus ihren Höhlen traten. Später schlich er durch die Räume, gebückt, wirkte verwirrt, sagte kein Wort, stieß aber gutturale Laute aus, die wie Mööp! klangen.
Damit konnte ich leben. Endlich war ihm das Herumschreien vergangen.
Mittags kochte ich ihm Kartoffeln, die er sich mit den Fingern in den Mund stopfte. Gesellschaftsfähig war er jetzt nicht mehr, aber das war nur ein kleiner Nebeneffekt, den ich akzeptierte.
Ich steckte der Puppe noch Hexenfingerkraut in den Bauch. Rodrich ging daraufhin noch gebückter und Mööpte dafür umso öfter.
Bald ging er auf allen Vieren und fraß nur noch mit dem Mund, den er in die Schüssel tauchte. Er schlief auf dem Boden.
Die Puppe stellte jetzt eine Mischung aus Wildschwein und Rodrich dar, sein Gesichtsausdruck verblüfft und schwelend missmutig über die offensichtliche Leere seines bestohlenen Gehirns.
Vielleicht hatte ich übertrieben?
Die Leute im Ort begannen nach Rodrich zu fragen. Ich konnte ihn schwerlich an einer Kette hinter mir herziehen und sagen, hier ist mein Mann, er fühlt sich heute nicht ganz wohl.
Ich musste den Weg zurück einschlagen.
Ich öffnete die Puppe, entfernte die Kräuter und gab stattdessen Engelsgries und Goldfadenblüten hinein. Das sollte alle Probleme aus der Welt schaffen. Stand in dem Buch.
Rodrich richtete sich wieder auf. Er fraß nicht mehr aus dem Schweinetrog. Er aß gar nichts mehr.
Sein Blick wurde verklärt, er ging mit ausgebreiteten Armen umher, seine Miene strahlend. Seine Haut sah aus wie mit Goldstaub besprüht, er bekam eine Aura um sich herum, und aus den Schulterblättern wuchsen ihm große Taubenflügel.
Seine Kommunikation beschränkte sich auf überschäumendes, dröhnendes Lachen.
Er war nur noch peinlich. Ich wusste nicht mehr, was ich mit ihm anfangen sollte.
Als letzten Ausweg bot ich ihn im Internet an. 
Nach einigen Wochen meldete sich eine Möbelfirma, die ihn als Werbe Testimonial anstellte. Seither sehe ich ihn nur noch im Fernsehen. Er macht sich gut. Wohnen darf er im Möbelhaus.
Die Werbeeinnahmen gehen an mich. 
Rodrich isst ja nichts, daher habe ich null Kosten.

review von: franz adrian wenzl

Unter anderem gefällt mir hier besonders gut, dass du die Geschichte knallhart durchziehst. Du stellst eine Behauptung auf - mit Voodoo entwaffnet man schreiende Männer und bringt sie zum Mööpen - und die deklinierst du durch bis zum bitteren Happy End. Mit allen Problemen, die das mit sich bringt, etwa, dass man sich mit so wem ja schlecht zeigen kann, etc.
Auch der trockene Ton sehr gelungen, der umso wichtiger ist, je unwahrscheinlicher die Story eigentlich ist...